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Bundesweite Initiative "Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform |
und für eine einheitliche, systematische Rechtschreibung" |
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OStR Manfred Riebe, Max-Reger-Str. 99, 90571 Schwaig bei Nürnberg Spendenkonto "Lehrer-Initiative gegen RS-Reform": Hypobank Nürnberg BLZ 760 202 14, Konto 237 705 3004 |
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Pressemitteilung |
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Teil 14:
Ein Jahr Rechtschreibreform Die Geschichte eines katastrophalen Mißerfolgs: Das Scheitern der Reform wird durch führende Sprachwissenschaftler bestätigt. Die Reform boykottiert sich selbst: Einheitlichkeit der Rechtschreibung zerstört.
Am 1. Juli 1996 wurde die Absichtserklärung zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung in Wien unterzeichnet. Demgemäß sollte die Neuregelung am 1. August 1998 in Kraft treten. Auf Grund der Anordnung der Kultusminister mehrerer Bundesländer wurde der Neuschrieb aber an vielen Schulen schon ab dem Schuljahr 1996/97 eingeführt und mehr schlecht als recht gelehrt. Zum Jahrestag legen die "Lehrerinitiative" und der "Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege" ihre Bilanz vor: Die Geschichte der Rechtschreibreform ist die eines katastrophalen Mißerfolgs, denn die Neuregelung verstößt nicht nur eklatant gegen sprachliche Gesetzmäßigkeiten, sondern auch gegen demokratische, rechtliche, pädagogische und wirtschaftliche Grundsätze.
- Ein sprachwissenschaftliches Debakel:
Die Rechtschreibreform bringt keine Vereinfachung, sondern ist sprachwissenschaftlich ein "Debakel" (Prof. Helmut Glück, Bamberg), das auf den Müll gehört (Prof. Peter Eisenberg, Potsdam, Mitglied der neuen Reformkommission), ein Kuckucksei, das man zerstören muß (Prof. Horst H. Munske, Erlangen, Mitglied der neuen Reformkommission). Der Reform zugrunde liegen "112 Regeln mit 1106 Anwendungsbestimmungen, in denen 111 Wortlisten enthalten sind mit zusammen 1130 zu memorierenden oder nachzuschlagenden Wörtern" (Prof. Werner H. Veith, Mainz). Auf dem Umweg über eine sogenannte "Schreib"reform erfolgt in Wirklichkeit ein massiver Eingriff in die Semantik und Grammatik der Sprache (Prof. Christian Stetter, Aachen: SZ 14./15.12.96 und 10.06.97). Folge dieser Übergriffe ist ein Chaos von Tausenden sich widersprechender Schreibweisen in zehn verschiedenen Wörterbüchern (Prof. Theodor Ickler, Erlangen: "Die sog. Rechtschreibreform - ein Schildbürgerstreich", St. Goar 1997, FAZ 15.03.97, S. 35). Damit sind sprachliche Korrektheit und Einheitlichkeit der Rechtschreibung zerstört. Verständlicherweise lehnen daher die bedeutendsten deutschsprachigen Autoren und Verleger die Neuregelung für ihre Bücher ab.- Eine undemokratisch übergestülpte Reform
: Die Bevölkerung ist laut Meinungsumfragen zu 90 Prozent gegen die Reform. Parlamentarier in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie führende Juristen wenden sich gegen diese undemokratisch übergestülpte Reform. Die Kultusminister haben die sog. "Neuregelung", über die allein die Volksvertretungen hätten entscheiden dürfen, ohne die hierfür erforderliche gesetzliche Ermächtigung diktatorisch noch vor dem 01.08.1998 ungeprüft eingeführt. Die Kompetenz des Gesetzgebers, d.h. der Volksvertretungen, wurde ignoriert. Die Sprachbildung ist eine zutiefst demokratische Angelegenheit, eine Form der Willensbildung von unten, die keine Reglementierung von oben herab erlaubt.- Die Rechtschreibreform ist rechtlich unverbindlich,
weil die Wiener Absichtserklärung vom 01.07.1996 zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts kein völkerrechtlich verbindlicher Vertrag ist. Sie beschränkt sich nicht auf den Schul- und Kulturbereich, denn die Innenminister wollen die Reform nun auch in den Behörden einführen und bestreiten damit die alleinige Kompetenz der Kultusminister. Aber auch die Beschlüsse der Ministerpräsidenten-, Innenminister- und Kultusministerkonferenzen über die Einführung der Schreibreform sind nach herrschender Meinung führender Juristen mangels gesetzlicher Ermächtigung rechtlich nicht bindend.- Die Rechtschreibreform verstößt gegen pädagogische Prinzipien
: Das Weniger-Fehler-Märchen der Kultusminister wurde widerlegt. Die Lehrerinitiative stellt fest: Rechtschreibdefizite lassen sich nicht auf angebliche Mängel in der bewährten Orthographie zurückführen. Rechtschreibschwächen von Schülern können entweder nur mittels intensiver Schreib- und Leseübungen oder im Fall einer ausgeprägten Lese- und Rechtschreibschwäche durch einen individuell abgestimmten Förderunterricht verbessert werden. Die Reformer haben das pädagogische Prinzip der Eindeutigkeit nicht beachtet: Angesichts von zehn verschiedenen Wörterbüchern mit etwa 8.000 Abweichungen allein zwischen Duden und Bertelsmann fehlt nun ein einheitlicher Korrekturmaßstab. Die Reformer haben somit das Handwerkszeug der Lehrer, das Regelwerk, die Wörterbücher und Sprachbücher, unbrauchbar gemacht. In der Schulpraxis kann kein Lehrer mehr ordnungsgemäß schreiben, nachschlagen und korrigieren. Die Reform boykottiert sich somit selbst. Eine ordnungsgemäße Korrektur ist nur nach dem alten Duden möglich.- Geldschneiderei und Verschwendung von Steuergeldern
: Die behauptete Kostenneutralität der sog. Rechtschreibreform existiert nicht. Vielmehr fand trotz der hohen Kosten keine Prüfung anhand der Haushaltsgrundsätze der Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit, Verhältnismäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit statt. Die Durchführung des bei Schulbüchern üblichen Zulassungsverfahrens wurde versäumt. Bei der Rechtschreibreform handelt es sich um eine reine Geldschneiderei (Prof. Utz Maas, Osnabrück) und um eine Verschleuderung von Steuergeldern, wie der niedersächsische Landesrechnungshof feststellte.
Die Rechtschreibänderung haben nicht die Reformkritiker "miesgemacht" (geplant: mies gemacht), sondern sie ist "mies gemacht". Sprache und Schrift haben sich nach "vergleichbaren Gesetzmäßigkeiten" entwickelt (Reformer Prof. Peter Eisenberg, Potsdam, Mitglied der neuen Reformkommission). Die Sprache, die unsere geistige Lebenswelt darstellt, darf nicht zerstört werden. Ein Stopp der Reform ist daher unerläßlich. Wir sind fest davon überzeugt, daß die sog. Rechtschreibreform ihren zweiten Jahrestag nicht erleben wird.
29. Juni 1997
Manfred Riebe Schwaig bei Nürnberg Tel. (0911) 50 08 25 Dr. jur. Thomas H. Vogtherr Ansbach Tel. (0981) 8 46 48 Norbert Schäbler, Hösbach /Unterfranken Tel. (06021) 55 07 05
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