Initiative "Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform

und für eine einheitliche, systematische Rechtschreibung"

OStR Manfred Riebe, Max-Reger-Str. 99, 90571 Schwaig

Spendenkonto "Lehrer-Initiative gegen RS-Reform": Hypobank Nürnberg BLZ 760 202 14, Konto 237 705 3004



Pressemitteilung


Aufklärungsserie:

Die Lehrerinitiative informiert die Bevölkerung über die sog. Rechtschreibreform

Teil 2 vom 31.03.1997:

Die Begründung der Petition der Lehrerinitiative an den Bundestag, die Rechtschreibreform zurückzunehmen, liegt der Presse jetzt vor:

1.

Zielverfehlungen: mehr Rechtschreibfehler, Wörtervernichtung, widersprüchliche Regeln, Rechtschreib-Chaos in zehn Wörterbüchern, Minderung der Lesefreundlichkeit;

2.

Übergehen der Volksvertreter und diktatorische Verfügung;

3.

Überprüfung weder der Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der sog. Rechtschreibreform noch ihrer Verhältnismäßigkeit und Wirtschaftlichkeit;

4.

Spaltung der Bevölkerung in zwei Rechtschreiblager und unpädagogische Zwangsmaßnahme für Lehrer, Widersinniges zu lehren.


Bundesweite Verbreitung der Petition der Lehrerinitiative im Schneeballsystem; Sprachwissenschaftler Prof. Theodor Ickler, Erlangen, Mitglied und sprachwissenschaftlicher Berater der Lehrerinitiative

Die Begründung der Petition der bundesweiten Initiative "Wir Lehrer gegen die Rechtschreib reform und für eine einheitliche, systematische Rechtschreibung" an den Bundestag, die sog. Rechtschreibreform zurückzunehmen, liegt jetzt vor. Sie lautet:

Folgende Strukturmängel der sog. Rechtschreibreform auf der sprachlichen, rechtlichen, politischen und pädagogischen Ebene beweisen, daß die Reform irreparabel und daher ihre Rücknahme zwingend erforderlich ist:

1.

Verstoß gegen sprachliche Grundsätze: Die künstlich geschaffenen Regeln entbehren der sprachwissenschaftlichen Grundlage und sind nicht eindeutig, sondern widersprüchlich, so daß selbst professionelle Wörterbuchmacher in zehn Wörterbüchern (z.B. Aldi, 2 x Bertelsmann, 2 x Duden, Eduscho, Wahrig usw.) ein Rechtschreib-Chaos angerichtet haben. Auch sind viele Wörter einfach verschwunden. Wie sollen aber Lehrer und Schüler mit Regelungen fertigwerden, die nicht einmal Fachleute bewältigen können? Sprachwissenschaftler (u.a. Glück, Ickler, Stetter, Veith) haben festgestellt, daß die neuen Regeln überdies auch in die Grammatik, Semantik und Phonetik der Schriftsprache eingreifen, dadurch die Vielfalt und Ausdruckskraft unserer Sprache einschränken, den Gesichtspunkt der Leserfreundlichkeit vernachlässigen und damit zu einer Minderung der Qualität der Schriftsprache führen. Auch das Ziel der Vereinfachung der Rechtschreibung wurde nicht erreicht, denn die Schüler machen keineswegs weniger, sondern eher etwas mehr Rechtschreibfehler, weil neue Fehlerquellen entstanden sind.

2.

Verstoß gegen rechtliche und demokratische Grundsätze: Entgegen demokratischer Gepflogenheit und Notwendigkeit wurden die Volksvertretungen von den Kultusministern übergangen. Auch die Lehrer sind nicht in den Entscheidungsprozeß einbezogen worden. Die Sprachbildung ist eine zutiefst demokratische Angelegenheit, eine Form der Willensbildung von unten, bei der es gilt, "den Leuten auf's Maul" zu schauen, statt die Sprache von oben herab zu reglementieren. Der Protest gegen die Rechtschreibreform sollte als Ausdruck unmittelbarer Demokratie ernstgenommen werden, statt die Reform willkürlich mit einem Verbot der Volksbegehren durchzusetzen.

3.

Verstoß gegen haushaltsrechtliche Grundsätze: Es wurde versäumt, die sog. Rechtschreibreform an den Grundsätzen der Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit, Verhältnismäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu messen. Die Kosten dieser fragwürdigen Reform verschlingen unzweckmäßig Steuergelder und Energien (durch Umstellungen, Umschulungen, berechtigten Widerstand) und werden noch ansteigen, sobald weitere Bundesländer, der öffentliche Dienst und die Privatwirtschaft sie gezwungenermaßen einführen müssen. Die Reform belastet daher den Staatshaushalt und damit die Steuerzahler unverhältnismäßig.

4.

Verstoß gegen pädagogische Grundsätze: Wir Unterzeichnenden wenden uns auch aus pädagogischen Gründen gegen diese dubiose Reform, weil wir sie aus den oben genannten Gründen inhaltlich nicht vermitteln können. Wir Lehrer wären gezwungen, die Schüler Unrichtiges zu lehren, also dem Sinn unseres Berufes entgegenzuhandeln. Es ist im Gegenteil die Aufgabe der Lehrer, in vernetzter Denkweise auf die kontraproduktiven, fachübergreifenden Wirkungen der sog. Rechtschreibreform hinzuweisen. Außerdem sind die Rechtschreibänderungen den Schülern auch deshalb schwer zu vermitteln, weil nun zwei Rechtschreibungen nebeneinander existieren, die die Gesellschaft unnötigerweise in zwei Rechtschreiblager spalten."


Zur interessanten Verbreitungsmethode der Petition über das ganze Bundesgebiet teilt die Lehrerinitiative mit: Jede Petition ist zugleich ein Unterschriftsblatt. Der jeweilige Empfänger einer Petition soll diese mehrmals kopieren und im Schneeballsystem an andere Lehrer der eigenen Schule und anderer Schulen und an Hochschullehrer weitergeben. Wenigstens eine Petition soll in ein anderes Bundesland gesandt werden. Als erster Hochschullehrer wurde der Sprachwissenschaftler Prof. Theodor Ickler, Erlangen, Mitglied und sprachwissenschaftlicher Berater der Lehrerinitiative.


Vertreter der Initiative "Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform und für eine einheitliche, systematische Rechtschreibung": Helmut Delbanco, StD, Ahlhorn, Dr. phil. Klaus Deterding, Berlin, Prof. Dr. Theodor Ickler, Universität Erlangen-Nürnberg, Stephanus Peil, Westerburg, Manfred Riebe, OStR, Schwaig bei Nürnberg, Dr. phil. Gerd Witzke, OStR, Nürnberg.

Schwaig, den 31.03.1997

Manfred Riebe, OStR, stellvertretend unterzeichnet für die oben genannten Kollegen





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